Fortsetzung des Interviews aus Newsletter 08 Februar 21

D Ich würde sagen, ich habe drei Antriebe. Ich glaube, dass es in dieser Welt in dreifacher Hinsicht an Harmonie mangelt. In der Beziehungsdimension, also in den Beziehungen von Mensch zu Mensch, aber auch in der Gesellschaft, zwischen Arm und Reich, zwischen erster und dritter Welt. Das ist in gewisser Weise disharmonisch.
Gleichzeitig haben wir das Ungleichgewicht zwischen dem Menschen und der Umwelt. Das ist völlig außer Kontrolle. Unseretwegen zerstören wir den Planeten. Und drittens eine Disharmonie zwischen den Menschen und Gott, für diejenigen, die an Gott glauben, oder sagen wir: an die spirituelle Welt.
Ich denke, mit dem Prozess der Modernisierung haben wir diese drei Dinge langsam verloren. Werden wir wieder ein Gleichgewicht, eine Balance, eine Harmonie finden?

Wenn ich also irgendwo hingehe, möchte ich wissen: Was sind die Alternativen bei diesen drei Themen? Und was kann ich tun, um die Situation zu verbessern? Wie können wir anders zusammenleben? Denn wir sehen ja, die Kernfamilie funktioniert nicht mehr. Zum Beispiel die Volunteers aus den 2000er Jahren, die ich hier treffe, die fragen nicht: “Wo wohnen deine Eltern?” Sondern: “Wohnst du bei deinem Vater oder bei deiner Mutter?” Weil sie davon ausgehen, dass sie geschieden sind.
 
Und du, Klara, was treibt dich an – wenn du aufwachst und zur Arbeit gehst?

K Also, ich wache zwar nicht jeden Morgen damit auf, aber ich arbeite schon daran, freundlich zu allen zu sein. Auch wenn sie nicht gut drauf sind – um den Leuten zu zeigen, dass es immer einen Freund gibt. Ich versuche, etwas zu leben, mit dem die Menschen was anfangen können.

Dann vielleicht an der spirituellen Welt arbeiten; zeigen, dass die wirklich nicht so weit entfernt ist. Die Natur auf eine bestimmte Art und Weise behandeln, so dass man die Schönheit sehen kann und spürt, dass mehr dahinter steckt, als was wir mit unseren physischen Augen sehen. Auch ganz allgemein, wirklich etwas gemeinsam mit Menschen zu schaffen, mit denen ich mich verbunden fühle.

Ich glaube, dass die Welt so etwas, wie wir hier versuchen, braucht. Auch wenn der Michaelshof klein ist, die Welt groß und die Gesamtsituation nicht so gut. Trotzdem müssen wir einfach klein anfangen und größer werden. Und ich glaube, man fängt noch kleiner an, bei sich selbst. Versuchen, mit seinen Fehlern zu kämpfen, sie zu zeigen und die Identifikation mit ihnen zu überwinden. Denn die eigentliche Persönlichkeit, innerlich, denke ich, ist immer gut.

Dann kann man anderen Menschen helfen. Zuerst arbeitet man an sich selbst, dann kann man das Außen verbessern.

Du kennst Domenicos Leben und Arbeit ein bisschen. Was erlebst du daran?

K Ich würde gerne mehr Beispiele von Gemeinschaften sehen, so wie du. Ich finde toll, dass du so weit reist, viele Leute kennenlernst, dass du herausfinden kannst, was du magst. — Und natürlich würde ich auch gerne aus Italien kommen, weil ich Italien sehr mag. (Alle lachen)

D Du könntest aus Norditalien sein, ja! Auch von deinem Geist und Charakter her wärst du eine gute Italienerin. Du würdest ohne Probleme in Italien oder Spanien zurechtkommen.

Domenico, bei deiner Agenda und deinen spannenden Lebensstationen, gibt es auch Sachen, die du vermisst?

D Mir fehlen die Wurzeln. Für mich ist das eigentlich gar nicht so einfach, ich bin eine Art rastloser Geist, immer in Bewegung, immer im Wandel, und manchmal ist das schwer. Das Zuhause meiner Eltern ist kein Zuhause mehr für mich. Aber ich vermisse das. Ich möchte irgendwo verwurzelt sein. Deshalb interessiert mich der Lebensstil auf dem Michaelshof sehr. Es ist eine ganz andere Art, aufzuwachsen. Ich sehe so viel Energie in den Menschen, die hier geboren sind. Du und andere sind so voller Leben, auch könnt ihr eure Beziehungen auf eine tiefere Art leben …

Leute, die aus großen Städten kommen – wie ich, aber auch die Lateinamerikaner, die anderen Europäer – wir alle kämpfen mit den Beziehungen zu anderen. Weil wir an einem Ort mit vielen Menschen geboren wurden, die aber nicht miteinander reden. Während du aus einem Ort mit weniger Menschen stammst, mit mehr Natur,, wo die Dinge tiefer gehen. Und manchmal braucht man zum Reisen keine weiten Strecken. Man kann reisen, indem man eine Person tief kennenlernt, indem man fünf Quadratkilometer erkundet, aber jede Ecke, jedes Insekt … Es klingt größer, wenn man nach China geht, aber manchmal muss man wahrscheinlich nicht so weit gehen, um etwas zu entdecken und zu wachsen.

Also, ich beneide euch, ich wäre gerne hier aufgewachsen.

K Ich vermisse es, mehr von der Welt zu kennen, aber auf der anderen Seite – auch als ich jünger war und ein bisschen gereist bin, war ich immer glücklich, zurückzukommen und hier zu sein, zu atmen, ich selbst zu sein. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich einen anderen Ort brauche, um wachsen zu können, um etwas zu erleben. Zum Beispiel, um tiefer auf jemanden einzugehen oder mehr über die Dinge zu erfahren, die aus einem selbst herauskommen. Das erlebt man ja gerade im Umgang mit seinen Freunden. Und das ist manchmal richtig schön, manchmal richtig nervig, aber immer interessant. Etwas, das nur möglich ist, wenn man an einem Ort bleibt.

Auch würde ich anders leben, wenn ich überzeugt wäre, dass ich nur ein Leben habe. Was würde lebenslanges Lernen dann nützen? Ich glaube, dass es eine Zukunft gibt, und deshalb würde ich nach dem Tod gerne anders gehen, als ich gekommen bin. Das hat für mich mit Reinkarnation zu tun: Dinge besser zu machen, zu lernen; die geistigen Impulse, was du Gott nennst, oder Christus, das weiter zu entwickeln. Fortsetzen, was schon da war, auf eine moderne Art und Weise.

Ihr glaubt an ‚to make the world a better place‘? Würdet ihr sagen, dass ihr dafür hier seid?

D & K Ja. Auf jeden Fall!

Domenico Villano (27) arbeitet derzeit an einem neuen Besuchkonzept für Menschen, die sich für die Community und die Lebensweise auf dem Michaelshof interessieren. Er ist Autor der Bücher: L’utopia come pratica: alla scoperta di Ecovillaggi e Comunità Intenzionali (Praktizierte Utopie: Auf Entdeckungsreise zu Ökodörfern und intentional communities; auf italienisch und französisch erhältlich; Amazon Link) und Non con i miei soldi! ed. 2019: Manuale di autodifesa ed educazione critica alla finanza (Nicht mit meinem Geld! Handbuch der Selbstverteidigung und kritischen Bildung im Bereich Finanzen; auf italienisch erhältlich; Amazon Link)

Klara Roever (30) ist Gärtnerin, leitet Volunteers an, filmt, arbeitet mit social media und ist in der Organisation des Michaelshofes tätig.

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